Herzinfarkt und Schlaganfall: Erste Hilfe und sofortiges Handeln
Sekunden können entscheiden – das gilt bei kaum einer medizinischen Situation so unmittelbar wie beim Herzinfarkt oder Schlaganfall. Beide Ereignisse treffen Menschen oft ohne Vorwarnung, mitten im Alltag, am Arbeitsplatz oder zu Hause. Wer in diesem Moment anwesend ist und die richtigen Handgriffe kennt, kann im wahrsten Sinne des Wortes Leben retten.
Herzinfarkt erkennen – die wichtigsten Warnsignale
Der klassische Herzinfarkt kündigt sich durch starke, anhaltende Schmerzen in der Brust an – ein Druck, ein Brennen, ein Gefühl wie ein Schraubstock. Diese Schmerzen können in den linken Arm, den Kiefer, den Rücken oder den Oberbauch ausstrahlen. Dazu kommen häufig:
- Atemnot und ein Gefühl der Enge
- Schweißausbrüche trotz körperlicher Ruhe
- Übelkeit oder Erbrechen
- Angst und ein drohendes Gefühl des Sterbens
- Blasse oder grau-fahle Haut
Wichtig zu wissen: Frauen zeigen oft untypische Symptome. Statt Brustschmerzen treten bei ihnen eher Erschöpfung, Übelkeit oder Oberbauchbeschwerden in den Vordergrund – Beschwerden, die leicht als harmlos abgetan werden.
Erste Hilfe beim Herzinfarkt – so handeln Sie richtig
Sofort den Notruf 112 anrufen. Das ist die wichtigste Maßnahme überhaupt. Beim Telefonat klar sagen: Herzinfarkt, aktueller Standort, Anzahl der betroffenen Personen.
Während der Rettungsdienst unterwegs ist:
- Betroffene Person beruhigen – Aufregung und Stress belasten das geschwächte Herz zusätzlich.
- Halbsitzende Lagerung – den Oberkörper leicht erhöht lagern, das entlastet das Herz.
- Enge Kleidung öffnen – Krawatte, Hemdkragen, Gürtel lockern.
- Person nicht alleine lassen und Bewusstsein sowie Atmung regelmäßig kontrollieren.
- Bei Bewusstlosigkeit und fehlender Atmung sofort mit der Herzdruckmassage beginnen – 30 Drucke, 2 Beatmungen, im Wechsel.
Zum Glück sind AED-Geräte (automatische externe Defibrillatoren) heute in vielen Unternehmen, Sporthallen und öffentlichen Gebäuden verfügbar. Wenn eines greifbar ist, sollte es umgehend eingesetzt werden.
Schlaganfall erkennen – der FAST-Test
Beim Schlaganfall wird die Blutversorgung eines Gehirnbereichs unterbrochen – durch ein gerissenes Gefäß oder ein Blutgerinnsel. Jede Minute zählt, denn mit jedem Moment stirbt Hirngewebe ab.
Der FAST-Test hilft, einen Schlaganfall schnell zu erkennen:
- F – Face (Gesicht): Bitten Sie die Person zu lächeln. Hängt ein Mundwinkel herab?
- A – Arms (Arme): Bitten Sie die Person, beide Arme parallel nach vorne zu heben. Sinkt ein Arm ab?
- S – Speech (Sprache): Sprechen Sie die Person an. Ist die Sprache verwaschen oder unverständlich?
- T – Time (Zeit): Bei einem oder mehreren positiven Zeichen sofort 112 anrufen.
Weitere mögliche Anzeichen sind plötzliche einseitige Lähmungserscheinungen, Sehstörungen auf einem Auge, starker plötzlicher Kopfschmerz oder ein plötzlicher Schwindel mit Gangunsicherheit.
Schlaganfall – was tun bis der Rettungsdienst kommt?
Die Erste Hilfe beim Schlaganfall unterscheidet sich vom Herzinfarkt in einem wichtigen Punkt: Die Lagerung.
- Bewusste Person: Oberkörper leicht erhöht lagern, gelähmte Körperstellen weich unterstützen.
- Bewusstlose Person mit vorhandener Atmung: stabile Seitenlage.
- Bewusstlose Person ohne Atmung: sofort mit der Reanimation beginnen.
In jedem Fall gilt: ruhig bleiben, die Person nicht alleine lassen, keine Medikamente verabreichen und auf den Rettungsdienst warten.
Warum Erste-Hilfe-Wissen so wichtig ist
Herzinfarkt und Schlaganfall gehören zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Der entscheidende Faktor zwischen Leben und Tod ist oft nicht der Rettungsdienst – sondern die Person, die zufällig dabei ist. Zeugen, die sofort handeln, können die Überlebenschance eines Betroffenen verdoppeln oder sogar verdreifachen.
Doch dieses Wissen geht verloren, wenn es nicht regelmäßig aufgefrischt wird. Studien zeigen, dass praktische Erste-Hilfe-Kenntnisse ohne Wiederholung innerhalb weniger Jahre verblassen. Regelmäßige Kurse – spätestens alle zwei Jahre – halten das Wissen abrufbereit.
Das Deutsche Rote Kreuz stellt auf seiner Website detaillierte Informationen und Schritt-für-Schritt-Anleitungen für den Ernstfall bereit – eine gute Ergänzung zu einer praktischen Ausbildung.
Wissen, das im Ernstfall zählt
Weder Herzinfarkt noch Schlaganfall kündigen sich mit Zeitvorsprung an. Umso mehr lohnt es sich, die Warnsignale zu kennen und die richtigen Reaktionen im Kopf zu haben – bevor man sie braucht. Ein Erste-Hilfe-Kurs vermittelt genau diese Sicherheit: praktisch, verständlich und so, dass man im Notfall nicht erst nachdenken muss.